Krankenkassen zahlen zuverlässig – Warum haben viele Pflegebetriebe trotzdem Liquiditätsprobleme?

Die Abrechnung und Vergütung für Leistungserbringer im Sozial- und Gesundheitswesen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von der in der freien Wirtschaft. Warum Krankenkassen zwar als sichere Zahler gelten, viele Pflegebetriebe dennoch unter Liquiditätsdruck stehen, zeigt dieser Beitrag.

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Factoring , Finanztipps

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Krankenkassenkarte und Kugelschreiber

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sichere Forderungen bedeuten nicht automatisch eine stabile Liquidität
  • Lange Zahlungsziele führen bei Pflegebetrieben zu Liquiditätsengpässen
  • Factoring schafft schnelle Liquidität und verbessert die finanzielle Planung

Struktur von Krankenkassen und Pflegekassen in Deutschland

Leistungserbringer wie ambulante Pflegedienste oder Krankenhäuser, rechnen ihre erbrachten Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB V und SGB XI) mit den gesetzlichen Krankenkassen und Pflegekassen ab. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts sind Krankenkassen finanziell und administrativ unabhängig und handeln eigenverantwortlich.

Pflegekassen sind rechtlich und organisatorisch eng mit ihnen verbunden: Jede gesetzliche Krankenkasse verwaltet auch eine Pflegekasse. Demnach sind Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse automatisch in der jeweiligen Pflegekasse mitversichert.

Die Vergütung erfolgt über:

  • Versorgungsverträge mit Krankenkassen
  • Vergütungsvereinbarungen mit Pflegekassen

Die Gebühren für ambulante Pflegeleistungen sind vom Bundesministerium für Gesundheit erlassen und in §90 SGB XI geregelt.

Wie sich Krankenkassen finanzieren

Seit 2009 finanzieren sich die gesetzlichen Krankenkassen über den Gesundheitsfonds, den die Bundesregierung mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz einführte.

Der Gesundheitsfonds setzt sich wie folgt zusammen:

  • Beiträge von Arbeitgeber*innen
  • Zahlungen anderer Sozialversicherungsträger
  • Beiträge von Versicherten
  • Bundeszuschuss aus Steuermitteln

Reichen diese Einnahmen nicht aus, dürfen Krankenkassen einen individuellen Zusatzbeitrag erheben. Diese tragen Arbeitgeber*innen und Beschäftigte zu gleichen Teilen.

Aktuelle Finanzlage im Gesundheitssystem

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen hat sich in den letzten Jahren immer weiter verschärft und ist im Moment besonders dramatisch. Aktuelle Finanzergebnisse zeigen: Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Ausgaben fast doppelt so stark gestiegen, wie die Einnahmen. Für 2027 prognostiziert der GKV-Spitzenverband eine Finanzierungslücke von rund 18 Mrd. Euro.

Aus diesem Grund will die Bundesregierung die GKV reformieren, um:

  • Ausgaben zu bremsen,
  • Beitragssätze für Versicherte stabil zu halten
  • und die Finanzierung des Gesundheitssystems langfristig tragfähig zu machen.

In der Debatte zu möglichem Einsparpotenzial im Gesundheitssystem geriet auch die Anzahl der Krankenkassen und ihrer Verwaltungsapparate in die Kritik. Da sich in der Vergangenheit bereits zahlreiche Kassen zusammengeschlossen haben, stellt sich die Frage, ob die aktuell 93 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland noch zeitgemäß sind. Perspektivisch kann eine Neustrukturierung durch Zusammenschlüsse einzelner Kassen eine Option sein, um weitere Kosten des Gesundheitssystems einzusparen.

Was passiert bei Fusion, Insolvenz oder Sanierung von Krankenkassen?

Wenn Krankenkassen in eine finanzielle Schieflage geraten, besteht für Leistungserbringer kein finanzielles Risiko. Denn im Fall einer Insolvenz übernehmen andere gesetzliche Krankenkassen derselben Kassenart die Verbindlichkeiten und begleichen offene Forderungen.

Insolvenzen oder Schließungen von Kassen bleiben aber eher die Ausnahme. Als Aufsichtsbehörde verfolgen das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) bzw. die Landesaufsicht das Ziel Krankenkassen in Not eher zu sanieren oder zu fusionieren, statt sie zu schließen. Obwohl in beiden Fällen die finanzielle Last auf andere Krankenkassen verteilt wird, sichern beide Maßnahmen die Stabilität des Systems. Die rechtliche Grundlage bildet dabei das Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-OrgWG).

Liquidität sichern: Warum schnelle Auszahlung entscheidend ist

Trotz dieser hohen Zahlungssicherheit ist die Abrechnung mit den Kranken- und Pflegekassen für viele Leistungserbringer oft mit langen Wartezeiten bei den Zahlungseingängen verbunden. Häufig vergehen 30, 60 oder sogar 90 Tage, bis die Kostenträger ihre erbrachten Leistungen vergüten. In dieser Zeit müssen Pflegebetriebe ihre laufenden Kosten für Gehälter, Miete, Lieferantenkosten oder Betriebsmittel selbst stemmen. Das bindet nicht nur Kapital, sondern belastet die eigene Liquidität und führt oftmals zu finanziellen Engpässen.

Viele Leistungserbringer nutzen deshalb Factoring, auch Vorfinanzierung genannt. Dabei treten sie ihre offenen Forderungen gegenüber Kranken- und Pflegekassen an einen Factoring-Dienstleister wie die SozialFactoring ab. Dieser zahlt die offenen Beträge innerhalb kurzer Zeit, oft schon am nächsten Werktag, aus und sichert somit die Liquidität des Pflegebetriebes.

Für Leistungserbringer bedeutet das:

  • monatlich planbare Zahlungseingänge,
  • sichere Liquidität,
  • Stabilität in der Finanzplanung.

So lassen sich Einnahmen zuverlässig in die monatliche Finanzplanung integrieren und Liquiditätsengpässe vermeiden. Gleichzeitig schaffen sich Leistungserbringer eine Grundlage für weitere Investitionen und nachhaltiges Wachstum.

Fazit: Das Problem ist nicht die Zahlung, sondern der Zahlungszeitpunkt

Krankenkassen und Pflegekassen bieten Leistungserbringern ein hohes Maß an Sicherheit: Offene Forderungen werden zuverlässig beglichen, Zahlungsausfälle sind praktisch ausgeschlossen. Damit schaffen sie eine stabile Grundlage für die Finanzierung im Sozial- und Gesundheitswesen.

Gleichzeitig setzen ihre langen Zahlungsziele viele Pflegebetriebe wirtschaftlich unter Druck. Trotz der eigentlich gesicherten Einnahmen kommt es zu Zahlungsverzögerungen und finanziellen Engpässen. Finanzierungslösungen wie Factoring helfen dabei Liquidität zu sichern und die monatliche Finanzplanung zu stabilisieren.

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