Intensivpflege im Spannungsfeld: Zwischen Verantwortung und Nähe
Die Versorgung von Intensivpflegepatient*innen erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Einsatzbereitschaft und emotionaler Stärke. Pflegefachkräfte übernehmen dabei weit mehr als die medizinische Betreuung. Die enge Zusammenarbeit mit Angehörigen ist ein zentraler Bestandteil ihres Arbeitsalltags – insbesondere bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Welche Herausforderungen daraus entstehen und wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelingen kann, zeigen die PNT Pflegedienste.

Leben als Intensivpflegepatient*in
„Es gibt extrem viel Potenzial, Patienten aus der Intensivpflege wieder ins Leben zurückzubringen, nicht jeder Intensivpflegepatient ist auch gleich Palliativpatient“, sagt Andreas Schäfer, Gründer und Geschäftsführer der PNT Pflegedienste. Der gelernte Krankenpfleger gründete 2008 den ersten Pflegedienst, inzwischen zählen acht ambulante Pflegedienste und fünf Wohngemeinschaften zu PNT.
„Gerade in der Intensivpflege pflegt man, gemeinsam mit den Angehörigen, immer auch den Geist des Patienten mit“, erklärt der Geschäftsführer. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung betrachte er den Zustand der Patient*innen immer sehr realistisch. „Bei manchen Neupatient*innen warten wir zunächst ab und empfehlen ihnen und den Angehörigen erstmal zur Ruhe zu kommen, Urlaub zu machen. Letztendlich hängt es immer von den Patienten ab, wie schnell sie mit der neuen Situation zurechtkommen“, weiß er. Im Prinzip müsse sich jeder die Frage stellen „Wie kann ich als Intensivpatient aktiv leben?“ und seinen Lebenssinn finden.
Wenn Körper und Geist auseinander gehen
Viele Intensivpatienten würden schnell lernen mit ihrer neuen Situation umzugehen und sich selbst zu versorgen. „Je älter ein Patient ist, desto schwieriger ist es für ihn, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Die meisten haben aber den Willen und das Ziel wieder nach Hause zu kommen und auch wieder arbeiten zu können – das ist alles möglich. Beatmungspatienten sind keine Renter“, sagt Schäfer. Man müsse sie fördern und fordern und ein Großteil mache dies auch mit.
Besonders schwer sei es für Patient*innen mit der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), deren Körper mit der Zeit immer mehr zerfällt, während die meisten dies bei vollem Bewusstsein miterleben. „Mein erster Patient bei PNT hatte eine eigene Apotheke, die er nach seiner Diagnose verkaufte. Nach zweieinhalb Jahren sagte er zu mir: hätte er gewusst, dass er so ein tolles Pflege-Team haben würde, hätte er die Apotheke behalten“, erzählt Schäfer. Sowohl das Team von PNT als auch die Technologie hätten es möglich gemacht, dass der Patient noch länger in seiner Apotheke arbeiten kann.
Füreinander sorgen – Miteinander leben
„Heute lässt man Menschen mit Einschränkung viel mehr am Leben teilnehmen als noch vor 40 Jahren. Und mit der richtigen Betreuung ist sehr vieles möglich“, berichtet er. Als einer der wenigen biete PNT auch Urlaubsbegleitung für Intensivpatient*innen an. „Für Pflegekräfte bedeutet eine 24/7 Betreuung an einem unbekannten Ort natürlich eine enorme Anstrengung, aber viele meiner Mitarbeiter machen das gerne und haben Spaß dabei“, so der Geschäftsführer. Er selbst habe schon einige Patient*innen und ihre Familien in den Urlaub begleitet, PNT stehe eben für Lebensqualität.
Das gilt auch für die Mitarbeiter*innen. „Eine Kollegin ist schon seit 16 Jahren bei uns. Sie hat mittlerweile eine leitende Funktion und hatte nie das Gefühl weggehen zu müssen“, sagt Schäfer. Das familiengeführte Unternehmen solle nicht nur für Patient*innen ein Ort zum Wohlfühlen sein, sondern auch für seine Mitarbeiter*innen.
Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt
Ein gutes Pflege-Team, das die 1:1 Betreuung zu Hause uneingeschränkt leisten kann, ist für Beatmungs- und Intensivpflegepatient*innen lebenswichtig. Wenn eine ambulante Versorgung zu Hause nicht mehr möglich ist, wechseln viele Patient*innen in eine stationäre Einrichtung oder eine Wohngemeinschaft. „Die Patienten leben gerne in unseren WGs. Sie erleben Gruppendynamik und spüren ein WIR-Gefühl, das haben sie zu Hause in der Regel nicht. Das Miteinander tut ihnen einfach gut“, berichtet Schäfer. Für einige Patient*innen dient die Wohngemeinschaft als Interimslösung für ein paar Wochen oder Monate, bis die Versorgung im eigenen zu Hause geregelt ist, andere leben dort dauerhaft. „Jeder Patient hat bei uns ein eigenes Zimmer und die Gemeinschaftsfläche gemietet – wie in anderen WGs auch.“ Von Wachkoma bis zu relativ mobilen Patient*innen sei alles dabei.
Der Versorgungsschlüssel liegt dort bei 1:3, das heißt eine Pflegekraft betreut in ihrem Dienst drei Patient*innen. „Wichtig ist: alle Patienten sind technologieabhängig. Man muss immer genau darauf achten, was man mit den Patienten unternimmt, denn sie könnten jede Sekunde einen Notfall haben“, sagt Schäfer.
Gemeinsam pflegen – mit Menschlichkeit und Miteinander
In der ambulanten Intensiv- und Beatmungspflege ist die Versorgung der Patient*innen sehr stark an die familiäre Situation gebunden. „Angehörige und Patienten werden bei uns in die Versorgungsplanung immer mit einbezogen. Wir sprechen individuell ab, wer was bis wohin leisten kann. Bei Kindern sind die Eltern natürlich besonders engagiert“, erläutert der Geschäftsführer. Als einer der wenigen Pflegedienste versorgt PNT auch Kinder- und Jugendliche, sowohl ambulant als auch in Wohngemeinschaften.

„Die Betreuung von Kindern ist etwas ganz anderes als bei den Erwachsenen. Kinder machen die Beatmung oder gelegte Zugänge aus der natürlichen Situation heraus mit, weil sie es nicht anders kennen oder nicht daran denken sich dagegen zu sträuben“, erzählt Schäfer. Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei hier besonders wichtig. Denn diese erkennen am ehesten, wenn es ihrem Kind schlecht geht oder was es gerne möchte, wenn es sich selbst nicht äußern kann.
„Wenn Kinder aus dem Nichts krank oder pflegbedürftig werden, ist das ein riesiger Einschnitt – da gilt es auch den Eltern beizustehen, sie zu stärken und zu unterstützen“, so Schäfer. Für Pflegekräfte bedeute die Arbeit mit Intensivpatient*innen stets ihr Herz dabei zu haben, in der Kinderintensivpflege zähle aber noch viel mehr dazu: „Die Ausbildung ist das eine, aber man muss einfach menschlich dafür gemacht und emotional gestärkt sein. Die einen ziehen aus der Arbeit mit den Kindern Kraft, die anderen haben einfach kein Problem damit.“
Positive Energie durch junge Patient*innen
Die Arbeit mit Kindern, insbesondere wenn sie schwer krank sind, gibt den Pflegekräften oftmals einen besonderen Mehrwert: „Je jünger Menschen sind, desto offener sind sie und desto mehr Mut haben sie“, sagt Schäfer. Kinder und Jugendliche seien viel ausdauernder und nähmen das Leben insgesamt lockerer, trotz ihres schweren Schicksals. „Wenn ich die Kinder versorge, werden die Dinge, über die ich mich beklage, auf einmal ganz klein und belanglos. Ich finde es immer wieder beeindruckend mit Kindern zu arbeiten und zu sehen, wie unverdrossen sie sind. Daraus ziehe ich sehr viel positive Energie“.



